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Studien · Orthopädie, Reha & Schmerz

Hüft-TEP nach Schenkelhalsfraktur: Dual-Mobility senkt Luxationsrate

Im Duality-RCT (1566 Ausgewertete ab 65 Jahren) luxierte die Hüft-TEP mit Dual-Mobility-Pfanne im ersten Jahr bei 1,3 %, mit Standardpfanne bei 4,2 % (HR 0,27). Bei Infektion, Reoperation, Sterblichkeit und Lebensqualität war kein Unterschied nachweisbar.

Von Viktor Bossert · Veröffentlicht am 19. Oktober 2026

Datenvisualisierung

Wie oft luxiert die Hüft-TEP im ersten Jahr?

Luxationen im ersten Jahr nach Hüft-TEP

Pro 1.000 Operierte mit dislozierter Schenkelhalsfraktur, Alter ab 65 Jahren (mITT, n = 1566)

Mit Standardpfanne luxierten 41,9 von 1.000 Operierten im ersten Jahr.

1/3
12,8von 1.000
Dual-Mobility-Pfanne (10 von 779)
41,9von 1.000
Standardpfanne (33 von 787)

Differenz29,1von 1.000 · Luxation mit geschlossener oder offener Reposition innerhalb von 1 Jahr

  1. Mit Standardpfanne luxierten 41,9 von 1.000 Operierten im ersten Jahr.
  2. Mit Dual-Mobility-Pfanne waren es 12,8 von 1.000 (HR 0,27).
  3. Das sind rund 29 Luxationen weniger je 1.000 Operierte (41,9 − 12,8; eigene Rechnung aus den rohen Anteilen).
Rohe Anteile aus Tab. 2: 10/779 = 12,8 und 33/787 = 41,9 pro 1.000 (im Raster gerundet auf 13 und 42 Punkte). Die Autoren berichten 1,3 % vs. 4,2 % und eine für Alter, Geschlecht, Zugang und Land adjustierte HR von 0,27 (95%-KI 0,13–0,56). Daraus rechnerisch rund 29 Luxationen weniger je 1.000 Operierte, NNT etwa 35 (eigene Rechnung aus rohen Anteilen, nicht von den Autoren berichtet).
Daten als Tabelle
GruppeLuxation mit geschlossener oder offener Reposition innerhalb von 1 Jahr pro 1000
Dual-Mobility-Pfanne (10 von 779)12,8
Standardpfanne (33 von 787)41,9
Datenvisualisierung

Unterscheiden sich auch andere Endpunkte?

Alle Endpunkte im Überblick

Hazard Ratio Dual-Mobility- vs. Standardpfanne mit 95%-KI (Tab. 2); Ereignisse Dual-Mobility vs. Standard

Luxation (HR 0,27) war mit Dual-Mobility seltener, ebenso jede chirurgische Komplikation (HR 0,45), ein Kompositum, das die Luxation enthält.

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  1. Luxation (HR 0,27) war mit Dual-Mobility seltener, ebenso jede chirurgische Komplikation (HR 0,45), ein Kompositum, das die Luxation enthält.
  2. Bei Infektion, Reoperation und Sterblichkeit war kein Unterschied nachweisbar: Alle 95%-KI schließen die 1 ein.
Nur bei der Luxation und dem Kompositum „jede chirurgische Komplikation“, das die Luxation einschließt, schließt das Konfidenzintervall die 1 aus. Das Kompositum war weder im Analyseplan noch im Studienregister als Endpunkt aufgeführt. Breite Intervalle bei Infektion und Reoperation bedeuten: kein Unterschied nachweisbar, Gleichwertigkeit aber nicht belegt.
Daten als Tabelle
HR95%-KI unten95%-KI obenn
Luxation (primär)0,270,130,5610 vs. 33
Jede chirurgische Komplikation0,450,270,7423 vs. 48 · enthält Luxation
Periprothetische Infektion0,810,381,7312 vs. 15
Reoperation0,770,361,6412 vs. 15
Sterblichkeit 90 Tage0,860,431,7415 vs. 17
Sterblichkeit 1 Jahr10,641,5738 vs. 38

Die Zahlen

Ausgewertet
1566 von 1600 (97,9 %)
Fundstelle: Abstract„After exclusion of 34 participants due to prespecified protocol deviations, 1566 participants (97·9%) contributed to the modified intention-to-treat analysis.“
Luxation im 1. Jahr (primärer Endpunkt)
1,3 % vs. 4,2 %; HR 0,27 (0,13–0,56)
Fundstelle: Abstract; Tab. 2„A dislocation, the primary outcome, occurred in ten (1·3%) of 779 participants in the DM-THR group and in 33 (4·2%) of 787 in the THR group (adjusted hazard ratio 0·27, 95% CI 0·13-0·56; p<0·0001).“
Davon offene Reposition
1 vs. 8 Fälle (0,1 % vs. 1,0 %)
Fundstelle: Tab. 2„Dislocation treated with open reduction | 1 (0·1%) | 8 (1·0%) | NA | NA“
Jede chirurgische Komplikation (enthält Luxation)
3,0 % vs. 6,1 %; HR 0,45 (0,27–0,74)
Fundstelle: Tab. 2„Any surgical complication within 1 year† | 23 (3·0%) | 48 (6·1%) | 0·45 (0·27 to 0·74) | 0·001“
Periprothetische Infektion
1,5 % vs. 1,9 %; HR 0,81 (0,38–1,73)
Fundstelle: Tab. 2„Prosthetic joint infection within 1 year | 12 (1·5%) | 15 (1·9%) | 0·81 (0·38 to 1·73) | 0·59“
Reoperation
1,5 % vs. 1,9 %; HR 0,77 (0,36–1,64)
Fundstelle: Tab. 2„Re-operation within 1 year | 12 (1·5%) | 15 (1·9%) | 0·77 (0·36 to 1·64) | 0·49“
Sterblichkeit nach 1 Jahr
4,9 % vs. 4,8 %; HR 1,00 (0,64–1,57)
Fundstelle: Tab. 2„Mortality within 1 year | 38 (4·9%) | 38 (4·8%) | 1·00 (0·64 to 1·57) | 1·0“
Lebensqualität (EQ-5D-5L) nach 1 Jahr
Differenz 0,0 (−0,03 bis 0,03)
Fundstelle: Abschnitt Results„EQ-5D-5L was similar between treatment groups at 1 year (mean difference 0·0, 95% CI –0·03 to 0·03; table 2).“

Was die Studie zeigt – und was nicht

Duality ist laut Autoren das erste große RCT zur Pfannenwahl bei Hüft-TEP nach dislozierter Schenkelhalsfraktur. Im ersten Jahr luxierten 1,3 % der Hüften mit Dual-Mobility-Pfanne und 4,2 % mit Standardpfanne (HR 0,27), rechnerisch rund 29 Luxationen weniger je 1.000 Operierte. Bei Infektion, Reoperation, Sterblichkeit und EQ-5D-5L war kein Unterschied nachweisbar; die Fallzahl war auf die Luxation ausgelegt, eine Gleichwertigkeit bei den übrigen Endpunkten ist damit nicht belegt. Die Ergebnisse gelten für ausgewählte, mobile, kognitiv intakte Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren, zu rund 86 % aus Schweden, überwiegend mit zementierten Monoblock-Pfannen über posterioren oder lateralen Zugang versorgt. Beim posterioren Zugang war der Unterschied größer (10/409 vs. 27/383, HR 0,34), beim lateralen war die Luxationsrate auch mit Standardpfanne niedrig (0/369 vs. 6/402); einen Interaktionstest berichten die Autoren nicht, laut Analyseplan sind keine subgruppenspezifischen Aussagen vorgesehen. Offen bleiben Spätfolgen jenseits eines Jahres (Abrieb, späte Luxationen, Lockerung; eine längere Nachbeobachtung ist geplant), die Kosteneffektivität bei laut Autoren etwa doppelt so teuren Implantaten und jede Aussage zur Nachbehandlung, denn die Rehabilitation lag im Ermessen der Kliniken.

Evidenzprofil

Moderate Evidenz

Methodisch starkes, großes, registerbasiertes RCT mit objektivem Endpunkt und 97,9 % Auswertung; als Einzelstudie mit nur 43 Ereignissen (10 + 33) und breitem Konfidenzintervall aber noch nicht repliziert. Eigene Einschätzung, keine GRADE-Bewertung durch die Autoren.

Studientyp
RCT
Teilnehmende
1600 randomisiert, 1566 ausgewertet (779 Dual-Mobility, 787 Standard)
Population
Erwachsene ab 65 Jahren mit akuter dislozierter Schenkelhalsfraktur, für eine Hüft-TEP geeignet (selbstständig mobil, wenige Begleiterkrankungen, kognitiv intakt); mittleres Alter 76,1 Jahre (SD 6,0), 64,5 % Frauen; 44 Kliniken (20 in Schweden, 24 in Großbritannien), 85,9 % der Ausgewerteten aus Schweden
Intervention / Exposition
Hüft-Totalendoprothese mit Dual-Mobility-Pfanne (zwei Artikulationen); Implantatmarke, Fixation, Zugang und Nachbehandlung nach lokaler Praxis
Vergleich
Hüft-Totalendoprothese mit Standardpfanne (eine Artikulation)
Endpunkt
Primär: Luxation der operierten Hüfte, behandelt mit geschlossener oder offener Reposition, innerhalb von 1 Jahr. Sekundär: Reoperation, periprothetische Infektion, Mortalität nach 90 Tagen und 1 Jahr, EQ-5D-5L, jede chirurgische Komplikation (Luxation, Infektion oder Reoperation) sowie Luxation oder Tod (jeweils 1 Jahr)
Dauer / Nachbeobachtung
Rekrutierung 9.1.2020 (Schweden) bzw. 6.12.2022 (Großbritannien) bis 2.4.2024; Nachbeobachtung 1 Jahr
Finanzierung
Swedish Research Council (VR-KBF 2019–00436) und UK National Institute for Health and Care Research (NIHR203115); laut Autoren keine Rolle der Geldgeber bei Design, Datenerhebung, Analyse, Interpretation oder Manuskript
Interessenkonflikte
N. P. Hailer: Direktor von Biobank Sweden, Mitglied des Steering Committee des Schwedischen Endoprothesenregisters, Vortragshonorare von Waldemar Link und Heraeus (laut Erklärung ohne Bezug zur Studie); O. Wolf: Direktor des Schwedischen Frakturregisters; mehrere britische Autoren mit Förderung durch NIHR Biomedical Research Centres; übrige Autoren: keine

Stärken

  • Randomisiert, 1600 Teilnehmende in 44 Kliniken in zwei Ländern
  • Objektiver Endpunkt aus nationalen Registern plus Aktenprüfung; Forschende und Statistiker bis zur Analyse verblindet
  • 97,9 % der Randomisierten in der Primäranalyse; Statistikplan vor Entblindung unterzeichnet; primärer Endpunkt entspricht dem Registereintrag NCT03909815
  • Per-Protokoll- und unadjustierte Analysen in gleicher Richtung (adjustierte HR per Protokoll 0,16; 0,07–0,39)
  • Öffentlich finanziert, Open Access unter CC BY

Grenzen

  • Patienten und Operateure nicht verblindet (pragmatisches Design)
  • Nur 1 Jahr Nachbeobachtung; späte Luxationen, Polyethylenabrieb, Osteolyse und Lockerung nicht erfasst
  • Wenige Ereignisse, daher breites Konfidenzintervall der HR (0,13–0,56)
  • Selektion: 1334 von 2934 Gescreenten nicht eingeschlossen (u. a. 560 wegen Präferenz der Operateure); laut Autoren deutliche Unterschiede der Einschlussrate zwischen Zentren
  • Überwiegend zementierte Monoblock-Dual-Mobility-Pfannen; nur posteriorer und lateraler Zugang, kein direkter anteriorer Zugang
  • Nur generischer Lebensqualitäts-Score (EQ-5D-5L), keine gelenkspezifischen Scores; keine Daten zu Kapselrekonstruktion, Komponentenposition oder spinopelviner Beweglichkeit
  • Kosten: Dual-Mobility-Implantate laut Einleitung und Diskussion etwa doppelt so teuer; die gesundheitsökonomische Auswertung steht aus

Methodik

Internationales, pragmatisches, registerbasiertes Überlegenheits-RCT in 44 Kliniken (20 Schweden, 24 Großbritannien) mit webbasierter 1:1-Randomisierung, stratifiziert nach Land. Patienten und Behandlungsteams waren nicht verblindet, Forschende und Statistiker bis zum Analyseabschluss schon; Endpunkte stammen aus nationalen Registern und Aktenprüfung. Primäranalyse in der modifizierten ITT-Population mit Cox-Regression, adjustiert für Alter, Geschlecht, Zugang und Land.

Quelle

Hailer NP, Griffin XL, Mukka S, … et al. (DUALITY Investigators). Dual mobility versus standard cups in total hip replacement for displaced femoral neck fractures (Duality): an international, multicentre, randomised, controlled, superiority trial. The Lancet 2026;408(10552):348–356. doi:10.1016/S0140-6736(26)00759-2 · PMID 42392114 · PMC13425373 · Open Access (CC BY 4.0)

Prüfprotokoll

Recherchiert am 19. Oktober 2026. Unabhängige Zweitprüfung aller Zahlen am 19. Oktober 2026: korrigiert.

Korrigiert in der Zweitprüfung:
  • Rechenweg der 29 Luxationen weniger je 1.000 (41,9 − 12,8) im Schritttext ergänzt
  • Leitfrage der Endpunkt-Grafik neutral formuliert; Kompositum „jede chirurgische Komplikation“ als Luxation enthaltend gekennzeichnet
Nicht verwendet oder nicht geprüft:
  • Gesundheitsökonomische Auswertung (noch nicht veröffentlicht)
  • Röntgenbefunde (laut Autoren in einem späteren Bericht)

Diese Seite fasst eine wissenschaftliche Veröffentlichung für Fachkreise zusammen. Sie ist keine Behandlungsempfehlung und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

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